but words escape me...
[über] die schuldigkeit der menschen

„sollte ich jetzt mitleid mit ihnen haben? sollte mir dieses kleine geschöpf das leid und elend dieser menschen zeigen? doch wieso sollte ich ihnen verzeihen? ich bin mit der absicht gekommen, sie alle umzubringen. sie hatten mir doch alles genommen was mir wichtig war... alles...“ tränen bedeckten sein gesicht. „sie haben sie alle kaltblütig ermordet. wieso kann ich jetzt nicht genauso handeln? töten war für sie doch so einfach. wieso kann ich es nicht?“. er blickte zum himmel und schrie: „warum? warum willst du das ich so leide? wieso musste ausgerechnet ich überleben? ich bin nicht einmal in der lage ihren tod zu rächen!“ über sein gesicht strömten die tränen.
das kleine mädchen kam auf ihn zu und fragte mit ihrer kindlichen stimme ernsthaft besorgt: „was hast du? wieso bist du so traurig?“
er blickte in ihre augen. diese unschuldigen haselnussbraunen augen schienen direkt in seine seele zu sein. in eine seele voller hass, wut und trauer.
er wandte sich ab und ging. er wurde immer schneller und rannte am ende so schnell er konnte.
er hatte sich nicht mehr unter kontrolle. „wieso musste ich überleben?“ er wischte sich die tränen aus dem gesicht, ging auf die knie und schrie seinen ganzen schmerz heraus. aus wut, verzweiflung und trauer fuhr er seine krallen aus und grub sie in seine brust.
plötzlich wurde es still. kein wind wehte und auch der regen hatte aufgehört. die sonne kam langsam hinter den dunklen, schweren wolken hervor.
er saß nur da mit hängendem kopf, nassem haar und blutüberströmtem körper. sein kopf war völlig leer, er hatte keinen einzigen gedanken mehr. das leben hatte für ihn keinen sinn mehr. er hatte alles verloren, alles was ihm wichtig war, alles was ihm was bedeutet hatte und er war zu einem leben unter den schuldigen gezwungen.
selbst die sonne konnte nicht die trauer von ihm nehmen.
langsam stand er auf und ging weiter, immer weiter geradeaus. ohne zu wissen wohin. er wollte es auch gar nicht wissen, er wollte nichts mehr wissen und alles vergessen.
ohne den kopf zu heben machte er einen schritt nach dem anderen. er hinterließ eine warme blutspur. aber spürte es nicht. er spürte keinen schmerz mehr, er hatte kein gefühl mehr, weder für schmerz noch für hass oder liebe.
viele tage ging er immer weiter geradeaus, ohne einen gedanken im kopf. er wusste nicht was um ihn herum passierte. alles hatte seinen sinn verloren.
er durchquerte ein feld voller duftender blumen, ohne etwas zu riechen, er durchwanderte eine wüste, ohne etwas zu sehen, er ging durch viele wälder, ohne etwas zu fühlen, er wanderte durch viele felder voller getreide, ohne etwas zu schmecken. er hatte nichts mehr. kein gefühl, ja nicht einmal mehr seine sinne. alles hatte ihn verlassen. er wollte nicht allein zurückbleiben und folgte ihnen, doch sie wollten nicht, dass er mit ihnen geht. sie wiesen ihn zurück.
seine seele war zerfressen von hass, wut und tiefsitzender trauer.
er besuchte viele dörfer, ohne zu wissen, dass er da war. viele menschen sahen ihn, doch er sah keinen einzigen. seine trauer war unverkennbar. einige waren zu scheu um ihn anzusprechen und fühlten nur mitleid mit diesem armen geschöpf, ohne zu wissen, dass sie es waren, die ihn zu dem gemacht haben, was er jetzt war. andere sprachen ihn an, um zu erfahren, wohin er wollte und was er denn hatte. sie versuchten auch seine wunde zu versorgen, doch er blieb nicht stehen, er ging einfach weiter, ohne seinen kopf zu heben oder etwas zu sagen.


20.11.08 20:31
 


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