but words escape me...
requiem des glücks

wie aus dem nichts stand er plötzlich da. da vorne neben der nachtgrünen tafel mit den weißen schnörkeleien des lehrers.
wie selbstverständlich stand er dort und starrte mit seinen eisblauen augen ins nichts.
es schien als wäre er nicht von dieser welt. als würde er mit seinen augen in eine welt sehen, die uns allen verborgen blieb.
eine welt in der noch wunder, träume und wünsche gab, die sich erfüllten. nicht nur in unseren köpfen, sie wurden wirklichkeit.
man konnte förmlich sehen, wie ihm flügel wuchsen. große, weiße schwingen, die ihn überall hintrugen. weit weg aus dieser
kranken, verseuchten welt. in ein land voller glück.
sein blick wanderte nicht ziellos umher, er starrte in diese welt und war nicht in der lage sich loszureißen. vielleicht
wollte er das auch gar nicht?
langsam hob sich seine hand und er schlug sich damit beständig gegen die schläfe. immer und immer wieder. selbst diese
handlung schien nicht von dieser welt zu tun. als wäre er ein botschafter aus jener fremden, glückerfüllten welt, der uns sagen
wollte "mensche, erwachet! und folgt mir ins glück!".
er strahlte eine ungeheure unantastbarkeit aus. ich konnte mich genauso wenig von seinem anblick lösen wie er den blick
nicht von der welt des glücks abwenden konnte. kein blinzeln trübte seinen blick, keinerlei zweifel in seinen augen.
immer und immer wieder. sein beständiges schlagen gegen die schläfe glich dem flügelschlag eines zielstrebigen vogels.
war ihm jene glückswelt so näher als jedem anderen?
immer und immer wieder. vor und zurück.
ja mehr ich mich darauf konzentrierte desto lauter erschien mir das aufprallen der flachen haut auf seiner ebenen haut.
anfang war es nicht mehr als ein regentropfen in einer verlassenen wasserlache. nun jedoch kam es einem pistolenschuss in
einer hohlen gasse gleich.
immer und immer wieder. vor und zurück.
mein blick verlor sich in seiner ungeheuren ausstrahlung.
langsam hob sich sein kopf und seine augen wanderten zu mir. sie beendeten ihre kurze reise in meinen pupillen.
doch noch immer schaute er in jene welt des sagenumwobenen glücks. meine augen schienen das tor zu ihr sein.
immer und immer wieder. vor und zurück schnellte seine hand.

"natassia!"
jemand rüttelte heftig an mir und seine gestalt verschwamm, je mehr ich das starke schütteln wahrnahm.
"nein, nein, geh noch nicht!" ich schrie und versuchte mich freizukämpfen. "verlass mich nicht! nehm mich mit in deine welt!"
"NATASSIA!"
plötzlich war alles vorbei. ich zuckte zusammen von dem lauten schrei und vor mir tauchte das sorgenvollegesicht der lehrerin auf.
"natassia, bist du wieder bei dir? ist alles in ordnung?" ihre von sorgen getränkte stimme durchschnitt die nun vorherrschende
stille in meinem kopf. meine ohren schmerzten davon.
"wo ist er hin?" war das einzige, was ich verbal zu stande brachte. "wieso hat er mich nicht mitgenommen?"
sämtliche augenpaare der klassenkameraden waren spätestens jetzt auf mich gerichtet.
"natassia, von wem redest du?"
ich blickte zur nachtgrünen tafel, erhob mich panisch von meinem platz und durchsuchte den raum mit meinen blicken.
doch er war nicht da. als wäre er nie hier gewesen.
"wo bist du hin, mein ritter des glücks?"
2.9.09 16:44
 


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